o. Univ.-Prof. Dr. Reinhard Windhager: Vom Menschen zum Labor, vom Labor zum Menschen

Die im Jänner 2018 neu geschaffene Universitätsklinik für Orthopädie und Unfallchirurgie wird von o. Univ.-Prof. Dr. Reinhard Windhager geleitet. Entstanden ist dabei eine Klinik mit rund 100 Ärztinnen und Ärzten. Im Interview spricht der Klinikvorstand über die neue Struktur, die Leistungsangebote und die Forschungsschwerpunkte.

 

Warum kam es zur Zusammenlegung?

In fast allen Ländern sind schon länger Orthopäden und Unfallchirurgen unter dem Titel eines Fachgebiets für Orthopädie und Traumatologie zusammengefasst. In Österreich ist man mit der Zusammenlegung mit Beginn 2018 diesem internationalen Trend gefolgt. Entstanden ist dabei eine Klinik mit rund 100 Ärztinnen und Ärzten, im AKH Wien stehen rund 200 Betten zur Verfügung. Die Orthopädie alleine versorgt über 20.000 Patientinnen und Patienten, rund 3.000 chirurgische Eingriffe wurden jährlich durchgeführt. In der Unfallchirurgie sind es aufgrund der Akutfälle noch viel mehr.

Wissenschaftliche Forschung und Klinikalltag – passt das zusammen?

Die Universitätsklinik für Orthopädie in Wien hat seit ihrer Gründung einen weltweit ausgezeichneten Ruf. Vor allem durch die komplexesten orthopädisch- chirurgischen Eingriffe und durch die hochspezialisierte Grundlagen- und auch umsetzungsorientierte, translationale Forschung wurde dies erreicht. Dies gelingt durch schnelle Umsetzung von neuen Ideen aus der Grundlagenforschung und die rasche Kooperation mit dem Forschungslabor.

Dadurch können wir aus der täglichen Praxis stammende neue Fragestellungen einer sofortigen wissenschaftlichen Analyse zuführen. Die Devise lautet „Vom Menschen zum Labor, vom Labor zum Menschen“. Das wird in Zukunft ausgebaut. Denn moderne Medizin kommt nicht mehr ohne eine Zusammenarbeit verschiedenster Fachgebiete aus. Im Bereich der Krebs- und Sarkombehandlung praktizieren wir das schon seit Jahrzehnten. Bei den Erkrankungen des Bewegungs- und Stützapparates werden wir an der Universitätsklinik für Orthopädie und Unfallchirurgie diese Aktivitäten stärker fördern.

Die Universitätsklinik für Orthopädie in Wien hat seit ihrer Gründung einen weltweit ausgezeichneten Ruf. Vor allem durch die komplexesten orthopädisch-chirurgischen Eingriffe und durch die hochspezialisierte Grundlagen- und auch umsetzungsorientierte, translationale Forschung wurde dies erreicht.“

Können Sie das Vorgehen anhand eines Beispiels erklären?

Wir planen die Einrichtung eines Zentrums für Extremitätenrekonstruktion und in weiterer Folge ein muskuloskelettales Zentrum. Dabei soll die optimale Vernetzung der Forschung eine bessere Zusammenarbeit für die Patientinnen und Patienten ermöglichen. Unsere Orthopäden und Unfallchirurgen ziehen je nach Bedarf Radiologen, Pathologen, Labormediziner, plastische Chirurgen, Rheumatologen oder auch Fachleute für Physikalische Medizin und Rehabilitation und auch Grundlagenforscher hinzu. Zudem soll in fachübergreifenden Meetings das optimale Vorgehen bei allen Patienten erörtert werden.

Welche Rolle spielen neue Technologien und Computer?

Computertomographie und Magnetresonanzuntersuchungen haben die moderne Bildgebung sicher revolutioniert. Aber auch die minimal-invasiven Operationsmethoden haben die orthopädischen Behandlungen grundlegend verändert. Ein moderner 3D-Hybrid-Operationssaal für besonders komplexe Eingriffe wurde an der Klinik bereits realisiert. Die Operationen können dabei unter Zuhilfenahme dreidimensionaler Bildgebung ausgeführt werden. So kann etwa während des Eingriffs die bildliche Darstellung mit einer 3D-Rekonstruktion erfolgen. Direkt während der Operation sieht der Chirurg die verschiedenen Bilddarstellungen und hat somit eine ganz genaue Orientierung im Operationsgebiet. In Kombination mit minimal-invasiven Methoden führen wir heute Operationen durch, die vor ein paar Jahren gar nicht denkbar waren.

Ein anderes interessantes Thema ist der 3D-Druck. Gerade bei der Individualisierung der Therapie machen wir derzeit große Fortschritte. Schon jetzt kann man künstliche Gelenksprothesen passgenau nach der 3D-Bilddarstellung in der Klinik produzieren. Ziel ist es, diese Metallteile direkt an der Klinik herzustellen. Dabei wird aus den Computertomographie-Darstellungen und Daten der Patienten im
Computer das Modell eines optimal passenden Teils für eine Gelenksprothese errechnet und dann gleich in der Klinik angefertigt. Dadurch würde der Weg der Beschaffung und Produktion um einige Wochen verkürzt werden.

Was gibt es Neues in der Grundlagenforschung?

In der Grundlagenforschung gibt es eine weitere Studie an Patientinnen und Patienten mit schweren Knochendefekten. Auch diesmal fördert die EU dieses Projekt. Mit biotechnologischen Verfahren wird dabei ein BMP-Protein produziert, das für das Wachstum von neuem Knochenmaterial benötigt wird. Nach Operationen mit Entfernung von großen Knochenanteilen oder auch schweren Verletzungen könnte diese Methode sehr wertvoll für den Wiederaufbau von Knochen sein. Ein weiteres wichtiges Feld betrifft die Knorpelforschung.

Dabei geht es vor allem um neue Ideen, wie man Zellen umprogrammiert, damit sie als Ersatz für Knorpelgewebe dienen können. Denn Knorpelzellen regenerieren sich nicht im Körper. Durch höheres Alter und Abnützung gibt es aber viele Probleme im Bewegungs- und Stützapparat und in den Gelenken. Ein wichtiger Ansatz könnte die Erforschung der „Glykobiologie“ des Knorpelgewebes von Gelenken sein. An der Oberfläche von Knorpelzellen finden sich auch verschiedene Proteine, die Zuckerstrukturen aufweisen. Es ist denkbar, dass Veränderungen bei diesen Glykoproteinen an der Arthroseentstehung beteiligt sind. Das könnte ein neuer wichtiger Regulationsmechanismus sein.

 

 

 

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